Social-Business-Lernlandschaften – aktuelle Trends und Erfahrungen

Prof. Dr. Joachim Niemeier stand uns beim letzten Webinartag zum Thema Social-Business-Lernlandschaften Rede und Antwort. Er ist Honorarprofessor an der Universität Stuttgart, Executive Consultant bei der centerstage GmbH und regelmäßiger Projektpartner der Know How! AG.

Im Folgenden haben wir die Inhalte des Interviews für Sie zusammengefasst.

 

Social-Business-Lernlandschaften
Social-Business-Lernlandschaften der Universität St. Gallen

 

Vor allem große Unternehmen beziehen zunehmend Social-Media-Lösungen in ihre internen und externen Kommunikationsflüsse mit ein. Die rechtzeitige und professionelle Qualifizierung der Mitarbeiter spielt beim Wandel eines Unternehmens in ein Enterprise 2.0 eine entscheidende Rolle. Dabei geht es nicht alleine darum, den Mitarbeitern die technische Handhabung der neuen Kanäle zu erklären. Vielmehr muss im Unternehmen ein Umdenken stattfinden. Denn Social Media verändert die bisherigen Arbeitsweisen grundlegend. Eine optimale Anpassung der unternehmenseigenen Lern-Möglichkeiten ist daher von großer Bedeutung. Denn jeder Mitarbeiter, ob Digital Native oder Social-Media-Einsteiger, sollte bei der Umstrukturierung genau dort abgeholt werden, wo er sich gerade befindet.

 

Auf Vorrat lernen ist passé

 

Moderne Kommunikationskanäle stellen bisherige Lernmuster und Wissenstransfers in Unternehmen vor neue Herausforderungen. Ein Großteil des Wissens in einem Unternehmen kann nach wie vor didaktisch von Trainern vermittelt werden. Aber wie verhält es sich mit dem impliziten Wissen? Wie kann jedem Mitarbeiter in einem Unternehmen die Möglichkeit geboten werden, Antworten auf eine spezifische Frage zu finden und gleichzeitig sein Expertenwissen weiterzugeben. Hier kommen die sozialen Medien zum Zuge. Richtig eingesetzt, tragen sie zum optimalen Businessmanagement bei. Denn die sozialen Medien ermöglichen jedem Mitarbeiter sein Wissen zu teilen. Und sie bilden eine neue Lernumgebung, in der sich jeder Mitarbeiter selbstgesteuert weiterentwickeln kann. So stellen unterschiedliche Kenntnisse kein Problem mehr dar. Im Gegenteil: Alte Lernmuster werden aufgebrochen und durch neue Möglichkeiten ersetzt. Beim Reverse Mentoring beispielsweise sind es die Digital Natives, die ihren Vorgesetzen zeigen, wie das Web 2.0 funktioniert. Und gleichzeitig bekommen die jungen Kollegen dabei einen Einblick in die Arbeitswelt einer Führungskraft und können so ihren Horizont erweitern und Prozesse besser nachvollziehen.

 

Und wie lernt ein Enterpise 2.0?

 

Bei modernen Lernformen denken viele Menschen an E-Learning, und dieser Begriff wird meistens unmittelbar mit Web Based Trainings gleichgesetzt. Aufgrund der flexiblen Lernweise stellen diese natürlich auch einen wichtigen Bestandteil im E-Learning dar, sollten aber mit anderen Methoden kombiniert werden. Elektronische Plattformen wie Communities und Chats sind eine gute Ergänzung, aber auch Präsenzschulungen machen an vielen Stellen Sinn. Gelingt es, die beiden Strömungen im sogenannten Blended Learning zu verbinden, sind optimale Lernvoraussetzungen geschaffen. Oft ist zu beobachten, dass Unternehmen verschiedene Social-Business-Lernmethoden noch sehr experimentell nutzen. Jedoch werden immer mehr Plattformen angeboten, die verschiedene soziale Kanäle integrieren und somit den Trend des sozialen Lernens in Unternehmen immer weiter verstärken.

 

Erklären reicht nicht!

 

Digital Natives sind mit den sozialen Medien aufgewachsen. Sie haben sich über Jahre „spielerisch“ ihr Wissen angeeignet: Einen Blogbeitrag gelesen, irgendwann einmal einen Blogbeitrag kommentiert und vielleicht erst Jahre später einen eigenen Blogbeitrag verfasst. Diesen Lernprozess kann man natürlich so nicht auf Unternehmen übertragen. Aber die Art und Weise des Lernens sollte beibehalten werden: Entdecken, ausprobieren und Spaß daran finden! Social Media kann man nicht erklären – jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen und Berührungsängste abbauen. Die Herausforderung der Unternehmensverantwortlichen liegt also darin, die richtige Balance für ihre Mitarbeiter zu finden zwischen eigener Entdeckungstour, gesteuerten Lerneinheiten und kollaborativem Arbeiten.

 

Mitarbeiter beim selbstgesteuerten Lernen anleiten

 

Auch wenn die Social-Business-Lernlandschaften zunehmend mehr Eigeninitiative der Mitarbeiter erfordern, ist eine professionelle Herangehensweise und Anleitung von Unternehmensseite dringend erforderlich. Hierbei ist es wichtig, die jeweiligen Zugänge der Mitarbeiter einzubeziehen. Während der eine Kollege gerne einfach ausprobiert, liest die andere Kollegin vielleicht lieber erst mal eine klassische Anleitung; die eine Führungskraft wünscht sich ein Coaching von einem jungen Mitarbeiter und die andere möchte sich gerne erst einmal mit Kollegen zu einem neuen Thema austauschen. Und genau das macht die neuen Lernformate aus: Sie sind vielfältiger geworden. Und schließlich ist es die Lernkultur im Unternehmen, die den Erfolg ausmacht. Klare Verantwortlichkeiten sind das A und O: Gibt es eine Weiterbildungsabteilung, macht es die Personalabteilung nebenher oder sind die jeweiligen Führungskräfte für das Thema zuständig? Darüber hinaus muss den Mitarbeitern das Thema richtig präsentiert werden. Sie sollten sich mit dem Thema Social Media auseinandersetzen, weil es spannend ist, nicht weil sie es müssen. Denn das Thema Enterprise 2.0 ist noch ein sehr neues, noch längst nicht vollständig durchdachtes Feld. Für die individuelle Entwicklung eines Unternehmens sind somit das Engagement und die Ideen der Mitarbeiter extrem wichtig.

 

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

 

 

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