Kartellrecht: Worüber darf ich mit ehemaligen Kollegen sprechen?

Compliance

Oft entstehen bei der Arbeit Freundschaften. Verlässt einer jedoch das Unternehmen, wird es schwierig: Was darf man privat noch über das Unternehmen erzählen? Mit solchen Fragen landet man schnell beim Kartellrecht.

Im Café mit Compliance und Kartellrecht

Ein Treffen im Café mit einer meiner besten Freundinnen und ehemaligen Kollegin steht an. Ich freue mich schon riesig darauf, allerdings bin ich immer etwas unsicher, ob ich auch alles erzählen darf, was sie wissen möchte. Eigentlich ist es ja ein privates Gespräch, warum sollte ich mich dann zurückhalten? Ich werde mit ihr schließlich nichts vereinbaren oder schriftlich festhalten.

 

Wenn man es allerdings ganz streng nimmt, ist sie nun bei einem unserer größten Wettbewerber und könnte tatsächlich etwas mit den Preisen anfangen. Ich weiß, ich kann ihr vertrauen und sie wird nichts tun, was ihrer alten Firma schadet.- Allerdings glaube ich, dass ich Konditionen und ähnliches auf jeden Fall für mich behalten sollte. Sie wird das mit Sicherheit verstehen.

 

Was darf man dem Wettbewerber erzählen?

Der Austausch außerhalb des Unternehmens ist wichtig für die Weiterentwicklung eines Unternehmens, trotzdem sollten einige Dinge beachtet werden. Nach dem Kartellrecht sind Hardcore-Vereinbarungen grundsätzlich verboten. Dazu zählen Preisabsprachen, Austausch von Konditionen, Produktionsquoten, Kunden und Produkten, da sie eine spürbare Einschränkung des Wettbewerbs mit sich bringen können. Auch Verhaltensabsprachen sind Verstöße gegen das Kartellrecht und geltende Compliance-Regelungen.

 

Verkaufspreise sind meist bekannt, nicht aber die Einkaufspreise oder individuelle Konditionen, die ein Kunde bezieht. Deshalb sollten sie darüber nicht sprechen. Vorsicht ist auch beim Informationsaustausch auf Verbandstreffen geboten. Was natürlich nicht strafbar ist, ist das Erstellen von Wettbewerbsanalysen, die Sie anhand von öffentlichen Informationen machen können. Das zählt zur allgemeinen Marktbeobachtung.

 

Was das Kartellrecht erlaubt – und was nicht.

Ob sie etwas schriftlich oder mündlich kommunizieren, sofern Sie eine Vereinbarung getroffen haben und es eine Beschränkung mit sich bringt, machen Sie sich strafbar. Auch ein Quotenkartell, welches es durch die Absprache von Produktionsmengen usw. geben kann, ist verboten.

 

Marktinformationen können über den Verband in Erfahrung gebracht werden. Mitglieder geben ihre Zahlen an den Verband, dieser wertet sie aus und kann so den Marktanteil und den Durchschnittsumsatz berechnen. Dies passiert anonymisiert und setzt voraus, dass ausreichend Unternehmen daran teilnehmen und alles neutral ausgewertet wird.

 

Grundsätzlich über die Arbeit zu sprechen, ist kein Problem. Was Sie aber auf jeden Fall vermeiden sollten, sind Vereinbarungen – egal in welcher Form zu Konditionen und Preisen. So machen Sie sich nach Compliance-Regeln weder angreifbar, noch strafbar.

 

Wie Mitarbeiter optimal darauf vorbereitet werden, sehen Sie hier.

 

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