Aus der Praxis: Wie Microblogging die Unternehmenskultur verändert

In unterschiedlichen Beiträgen haben wir bereits darüber berichtet, wie sich Arbeitsweise und Kommunikation bei uns verändert haben, seit wir das Microblogging-Tool Yammer einsetzen. Wenn sich eine solche Plattform durchsetzt, kann jedoch noch viel mehr passieren, als „nur“ eine Verbesserung der Teamarbeit oder besseres Zeitmanagement. Je nachdem, wie das Unternehmen aufgestellt ist, können sich sogar wichtige Eckpfeiler der Unternehmenskultur verändern. Beispielhaft hier, was sich bei uns seither getan hat:

 

Hierarchische Grenzen verschwimmen

Um Microblogging-Werkzeuge erfolgreich einzusetzen, bedarf es einer breiten Masse von Mitarbeitern, die mitmachen – sonst funktioniert es nicht. Idealerweise sind Führungskräfte und Vorstand ganz vorne mit dabei und treiben die Veränderung der Kommunikation voran. Je nachdem, wie diese das Tool verwenden, können Mitarbeiter viel besser up-to-date bleiben, was die Chefs denn so tun und wo sie sind. Ein Posting zum erfolgreichen Akquisetermin oder die Ankündigung eines neuen Mitarbeiters wird schnell mit einem Kommentar oder „Gefällt mir“ versehen.

 

Dadurch, dass Mitarbeiter in Echtzeit sehen können, was die Vorgesetzten tun, wird die Transparenz erhöht. Und vielleicht verändert sich auch beim einen oder anderen Mitarbeiter die bisherige Wahrnehmung des Chefs. Ein lustiger Kommentar hier, ein witziges Bild dort machen den Vorgesetzten menschlicher und greifbarer. Besonders, wenn man an einem anderen Standort sitzt, als der Chef. Das bringt uns schon zum nächsten Punkt:

„Aus der Praxis: Wie Microblogging die Unternehmenskultur verändert“ weiterlesen

Austausch 2.0

Ich möchte heute auf die erfolgreiche Veranstaltungsreihe Creative Think Net (CTN) der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected (bwcon) aufmerksam machen. Der Arbeitskreis trifft sich in unterschiedlicher Zusammensetzung, um aus der 2.0-Sichtweise über Themen aus Unternehmen und Organisationen zu diskutieren und vor allem um Erfahrungen auszutauschen. Know How! AG-Vorstand Frieder Tempel, Jochen Günter von der Fraunhofer Gesellschaft und ich sitzen im Board und organisieren zusammen mit bwcon drei bis vier Veranstaltungen pro Jahr.

 

2012 fanden drei sehr interessante Sitzungen statt:

 

„Leadership 2.0“ war das Thema der Veranstaltung im November bei der Know How AG! mit rund 40 Gästen. Der Impulsvortrag von Dr. Thomas Götz von der IBM Deutschland GmbH über die IBM-Studie „Führen durch Vernetzung“ hat unsere Meinung bestätigt: Enterprise 2.0 ist geschäftstauglich geworden. Für die IBM Global CEO Study 2012 wurden weltweit mehr als 1.700 CEOs, Geschäftsführer und leitende Führungskräfte in persönlichen Interviews befragt. Für mich ein zentrales Ergebnis: Die CEOs – nicht nur die CIOs! – sehen Social Media als strategischen Wettbewerbsfaktor an und geben erstaunlich große Budgets frei, um Plattformen aufzubauen, um zu testen und um soziale Netzwerke in ihren Organisationen einzuführen. Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, darüber berichtete Benjamin Herrmann, Global Enterprise Business Architect beim Wirtschaftsprüfunger PricewaterhouseCoopers (PwC). Im Frühjahr 2012 startete sein Unternehmen das eigene weltweite Business-Network „Spark“. Nach nur einem halben Jahr vernetzt die Kollaborationsplattform mehr als  90.000 Mitarbeiter, die sich darüber austauschen, Ideen liefern, Projekte steuern. Hier verweise ich auf das Video von Paula Young, Global Knowledge Leader bei PwC, die zu diesem Thema auf der Jive World 2012 referiert hat. Einen detaillierten Rückblick zu beiden Vorträgen gibt es auf der bwcon-Website.

 

„Austausch 2.0“ weiterlesen

Mitarbeiterengagement auf öffentlichen Social-Media-Plattformen – zweiter Teil

Heute: Social-Media-Guidelines

Oft wissen Mitarbeiter nicht, welche Rechte und Pflichten sie bezüglich Social Media haben. Das Stichwort lautet hier „Guidelines“. Diese Richtlinien können innerhalb des Unternehmens regeln, was bezüglich Social Media (nicht) erlaubt ist. Dies betrifft z.B. die private Nutzung während der Arbeitszeit aber eventuell auch die Inhalte, die Mitarbeiter über das Unternehmen öffentlich posten dürfen. Grundsätzlich gilt es, die Guidelines im Bewusstsein der Mitarbeiter zu verankern.

 

Wie sollten Social-Media-Guidelines gestaltet sein?

 

Klare Regeln können Sicherheit geben und somit das Engagement fördern. Sie können verhindern, dass Mitarbeiter aus Angst, sich angreifbar zu machen, lieber auf „Nummer sicher“ gehen und arbeitgeberbezogene Social-Media-Aktivitäten meiden. Das Ergebnis meiner Arbeit zeigt jedoch, dass zu detailliert verfasste Guidelines genau das Gegenteil auslösen: Sie schaffen Verunsicherung und führen durch strikte Vorgaben eher zu defensivem Social-Media-Verhalten. Das Erfolgsrezept lautet demnach: Lockere Guidelines, die signalisieren, dass bezüglich Social Media eine bejahende Einstellung vorherrscht. Selbstverständlich ist hierfür eine offene und vertrauensvolle Unternehmenskultur wichtig, denn Social-Media-Aktivitäten können Unternehmen auch zum Verhängnis werden.
Dennoch gilt: Die Angst vor Fehlern zu nehmen und das Thema positiv, unkompliziert und unverfänglich darzustellen, erweist sich als geeignetste Strategie, um die Mitarbeiter zur Teilnahme zu motivieren.

_________________________________________________________________________________________

 

*Henriette Gießl hat Kommunikationswissenschaften an der Universität Hohemheim studiert und in Zusammenarbeit mit der Sympra GmbH ihre Bachelorarbeit zum Thema „Social Media in der Unternehmenskommunikation“ verfasst.

 

 

 

Mitarbeiterengagement auf öffentlichen Social-Media-Plattformen – erster Teil

Gastbeitrag der Kommunikationswissenschaftlerin Frau Henriette Gießl

 

Der Erfolg eines Social-Media-Auftritts lässt sich – grob gesagt – an der Zahl der aktiven User festmachen. Darum ist es spannend, ob die eigenen Mitarbeiter unabhängig von ihrer beruflichen Aufgabe, d.h. in „privater Mission“, die Social-Media-Aktivitäten des Arbeitgebers unterstützen, indem sie die Beiträge kommentieren oder einfach nur sharen und liken bzw. online weiterempfehlen. In meiner Bachelorarbeit habe ich in Zusammenarbeit mit der PR-Agentur Sympra GmbH (GPRA) untersucht, welche Strategien von Unternehmen angewandt werden, um die eigenen Mitarbeiter zu motivieren, auf den öffentlichen Social-Media-Auftritten des Arbeitgebers aktiv zu werden.

 

Heute: Der Arbeitnehmer im Fokus

 

Der erste Schritt in Richtung Mitarbeiterengagement ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Für Unternehmen ist es daher wichtig, intern kräftig die Werbetrommel zu rühren. Teilweise wissen die Mitarbeiter gar nicht, welche Social-Media-Aktivitäten ihr Unternehmen betreibt – geschweige denn, welches Potential ein Unternehmens-Auftritt (durch ihre Mithilfe) entfalten kann. Hier kann es hilfreich sein, das Anliegen intern offensiv zu promoten. In meiner Arbeit habe ich herausgefunden, dass dies teilweise recht direkt praktiziert wird, d.h. durch einem konkreten Aufruf, sich zu beteiligen. Wird den Mitarbeitern kommuniziert, dass ihr Social-Media-Engagement explizit erwünscht ist, fällt die Hemmung, sich aktiv einzubringen.

 

 

Die Zielgruppe der Mitarbeiter aufmerksam machen und durch „ihre“ Themen locken

In einem zweiten Schritt gilt es dann, dem erweckten Interesse auch gerecht zu werden. Eine mögliche Strategie ist es, die Inhalte des öffentlichen Social-Media-Auftritts mit den Interessen der Mitarbeiter abzustimmen, d.h. auch diese Zielgruppe speziell im Blick zu haben. Denkbar ist beispielsweise, dass spannende Aktivitäten eines Mitarbeiters hervorgehoben werden oder Führungspersönlichkeiten zu Wort kommen. Es gilt: Spannende Inhalte bereit zu stellen, die gleichzeitig nicht gegen den Grundsatz verstoßen, wichtige Infos zuerst intern zu kommunizieren. Durch interne Ankündigungen des Social-Media-Auftritts und den jeweiligen Beiträgen können Mitarbeiter zur Teilnahme animiert werden und ihrem Unternehmen zu einem belebten Auftritt verhelfen.

 

_________________________________________________________________________________________

*Henriette Gießl hat Kommunikationswissenschaften an der Universität Hohemheim studiert und in Zusammenarbeit mit der Sympra GmbH ihre Bachelorarbeit zum Thema „Social Media in der Unternehmenskommunikation“ verfasst.