Social Learning – oder the next big thing

Das Thema „Social Learning“ ist derzeit in aller Munde. Es stellt sich daher die Frage, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Aus diesem Grund haben die Learning-Spezialisten der Know How! AG ein Experteninterview mit Herrn Prof. Dr. Dittler geführt. Vielen Dank auch auf diesem Weg.

 

Die Know How! AG AG wünscht Ihnen viel Spaß beim Lesen.

social media cartoon

Was verstehen Sie unter „Social Learning“? Gibt es bereits wissenschaftlich fundierte Definitionen?

 

Dittler: Die wörtliche Übersetzung im Sinne von „Sozialem Lernen“  greift natürlich deutlich zu kurz, da jedes Lernen – auch klassisches Face2Face-Lernen immer auch ein soziales Lernen ist. Unter Social Learning werden daher Lernformen zusammengefasst, die auf die Kommunikations- und Strukturierungsmöglichkeiten von SNS (Social Network Sites) zurückgreifen: Lernen unter Rückgriff und unter Einbeziehung der Menschen, mit denen der Lernende in technisch abgebildeten Sozialen Netzwerken – wie Facebook oder Xing – verbunden ist. Der Vorteil des Social Learning im Vergleich zu anderen E-Learning-Formen besteht in der Betonung der Kommunikation (auch) unter den Lernenden.

 

Gibt es DIE „Social Learning“ Methode?

 

Dittler: Nein, es gibt nicht die EINE Methode, die sich beim Social Learning für alle Inhalte und alle Zielgruppen in allen Sozialen Netzwerken eignet.

 

Gibt es aktuelle Studien zu den neuen Formen des „Social Learning“?

 

Dittler: Da Social Learning relativ neu ist, sind zwar schon zahlreiche Forschungsprojekte hierzu gestartet, mit einer empirischen Beschreibung und Erfassung dieser Lernform ist daher in ein bis zwei Jahren zu rechnen. Derzeit stehen vor allem MOOCs als eine im akademischen Umfeld hoch gehandelte Form des Social Learning im Focus der Forschung. MOOCs bieten sich auch an, da die Forschenden in der Regel problemlos Kontakt zu den Lehrenden finden (wenn sie an der gleichen Hochschule arbeiten) und natürlich auch die große Zahl der Teilnehmer für eine quantitative Forschung interessant ist.

 

Welche Potenziale/Chancen sehen Sie für „Social Learning“?

 

Dittler: Social Learning ist sicherlich gut geeignet, informelle und nicht-institutionalisierte Lernprozesse weiter voranzutreiben, da es den Lernenden mit zunehmender Vernetzung in SNS zunehmend leichter gelingt, in ihrem Netzwerk andere Menschen zu finden, die sich für das gleiche Thema interessieren und/oder Fragen des Lernenden beantworten können. Die in institutionalisierten Bildungsprozessen oft dominierenden hierarchischen Strukturen können durch die „Gleichwertigkeit“ der Kommunikationspartner in SNS aufgebrochen werden.

 

Welche Risiken?

 

Dittler: Eine Besonderheit von vielen Social Learning-Formen ist sicherlich, die fehlende Qualitätskontrolle und Zertifizierung von Lernergebnissen … ob das allerdings ein Risiko ist?

 

Wie sieht die zukünftige Entwicklung der Lernwelt – speziell im beruflichen Umfeld aus?

 

Dittler: Informelle Lernformen werden kurz- und mittelfristig weiter stark an Bedeutung gewinnen. Im beruflichen Umfeld haben jedoch Qualifikationsnachweise noch eine große Bedeutung, sodass auch weiterhin institutionalisierte Angebote mit Nachweis und Zertifikat relevant sind. Es wäre wünschenswert, wenn Social Learning dazu beitragen kann, dass in derartigen Angeboten stärker die jeweilige Kompetenz des Mitarbeiters berücksichtigt werden kann.

 

E-Learning ist vor langer Zeit auch mit dem Versprechen angetreten, individuell passende Lernwerge und Lernformen zu ermöglichen – beispielsweise verfolgten die Intelligenten Tutoriellen Systeme (IST) genau dieses Ziel. In der Realität hatten wir es zu Zeiten der CBTs und WBTs jedoch meist mit Standardprogrammen zu tun. Es wäre schön, wenn sich dies nun ändern kann und der Lernende – und nicht der Lehrstoff – stärker im Mittelpunkt des Lernprozesses steht.

 

Was braucht es dafür (Setting, Kompetenz der Lernbegleiter und Lerner, Technik)?

 

Dittler: Ja genau, die genannten Aspekte sind alle relevant: Technik ist dabei notwendig aber nicht hinreichend. Wichtiger für den Lernerfolg sind die kommunikative und inhaltliche Kompetenz eines Lernbegleiters. Und die Fähigkeit und Bereitschaft auf Seiten des Lernenden sich selbstverantwortlich und selbstorganisiert auf – auch komplexere und länger-dauernde – Lernsituationen einzulassen.

 

Wie ist Ihre persönliche Meinung zu MOOCs und anderen neuen Lehr-/Lernformen?

 

Dittler: Auch MOOCs werden sich nicht als die erhofften Wunderinstrumente des E-Learning entpuppen. Sie sind ein teilweise neue Form, Wissensvermittlung elektronisch zu unterstützen. Nur eine neue Form, neben vielen anderen – aber eine Form, die sich für bestimmte Inhalte und bestimmte Zielgruppen ggf. besser eignet als andere Methoden. Daher sind sie eine Bereicherung des Werkzeugkastens, der uns zur Wissensvermittlung zur Verfügung steht.

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Als Dozent für Medienpsychologie, Mediendidaktik und E-Learning an der Hochschule Furtwangen ist Social Media im Arbeitsalltag von Dittler nicht nur Forschungsgegenstand, sondern auch unumgängliches Kommunikationsmittel mit den Studierenden. Dittler ist zudem stellvertretender Leiter des Informations- und Medienzentrums der Hochschule

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