Change – ab heute machen wir alles anders!

Im Meeting verkündet der Manager: „Ab heute machen wir alles anders! – Meetings werden nur noch virtuell abgehalten, an Stelle der Protokolle tritt ein Blog, und dokumentiert wird ab sofort im Wiki!“. Lesen Sie mehr dazu im Gastartikel von Stig Pfau. Vielen Dank auch auf diesem Weg.

 

Was für den einen klingt, wie der Himmel auf Erden ist für den anderen die Hölle 2.0 – und das ist nicht nur ein Problem der digitalen Immigranten. Die technologische Entwicklung bringt kontinuierlich neue Technologien hervor, die oft auch einen Wechsel der Prozesse und der Arbeitsmethoden mit sich bringen. Insbesondere bei den neuen Technologien des Social Web ist das so. Das „Mitmach-Web“, wie es auch oft genannt wird, erfordert eine grundlegende Änderung des Verhaltens: die Zusammenarbeit.

Change

Zusammenarbeit? – Wir arbeiten doch schon seit Jahren in Projekt-Teams zusammen!

Richtig – für das gesamte Projekt und dennoch war es vor dem Web 2.0 so, dass einzelne Teile wie Dokumente beispielsweise auf dem PC erstellt wurden, ohne dass der Kollege nebenan seinen „mehr oder weniger konstruktiven Beitrag“ zu dem gerade entstehenden Dokument hinzugegeben hat oder der Inhalt durch Bewertungen und Kommentare in der „Öffentlichkeit[1]“ ausdiskutiert wurde. Die neuen Plattformen wie Blogs oder Wikis bringen unsere Arbeit von dem persönlichen Arbeitsbereich in eine Sphäre, die selbst für Insider schwer zu begreifen ist.

 

Aus dieser Unsicherheit entstehen Ängste, die im Rahmen des Change Managements oft vernachlässigt werden. Change-Prozesse fokussieren meistens die Technologien und Prozesse. Gründe, warum Changes ins Stocken geraten oder gar scheitern sind selten technologischer oder prozeduraler Natur – sondern menschliche Ängste wie:

  • Reputationsverlustangst
  • Kommunikationsangst
  • Polarisationsangst
  • Konfliktangst

Beispiel Reputationsverlustangst

Ein Wissensarbeiter, wie ein Ingenieur, im Unternehmen begründet seine Anerkennung (und damit auch seinen Job und sein Gehalt) aus dem speziellen Expertenwissen, welches er besitzt. Genau dieses Wissen dem gesamten Unternehmen, zum Beispiel in einem Wiki, zur Verfügung zu stellen kommt einem beruflichen Selbstmord gleich, denn er nimmt sich hiermit – subjektiv – die Begründung für sein Dasein, seine Reputation.

 

Dass durch die Veröffentlichung seines Wissens sein Expertenstatus steigt ist ihm zunächst nicht bewusst, denn zu dem niedergeschriebenen Wissen kommt die Erfahrung in der Umsetzung hinzu, die nicht dokumentiert werden kann. Jeder, der schon versucht hat eine Sauce Hollandaise nach Rezept nachzukochen, weiß wovon ich spreche. Hier ist das Change Management gefordert um neben den Technologien, den Prozessen auch den Menschen zu beachten und an der Hand zu nehmen.

 

[1] Öffentlichkeit bezieht sich auf den jeweiligen Grad der Veröffentlichung (Team, Unternehmen, ganze Welt)

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Über den Autor

Stig Pfau

Stig Pfau hilft Unternehmen dabei, die neuen Medien und Technologien erfolgreich einzusetzen.

 

 

Ein Gedanke zu „Change – ab heute machen wir alles anders!“

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